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Kurzfassung Band 64

Nguyen, Dang Giang Chau (2015): Risk assessment for drinking water quality (pesticides and antibiotics) in the Mekong Delta, Vietnam. Bonner Bodenkundliche Abhandlungen 64, 101 S.

 

Kurzfassung

Der Einsatz von Pestiziden und Antibiotika für die Prävention und Bekämpfung von Schädlingen und Krankheitenist zwangsläufig mit Risiken für den Menschen unddie Umwelt verbunden. Ich habe diese potentiellen Risiken in verschiedenen Trinkwasserquellen (Oberflächenwasser, Grundwasser, gesammeltes Regenwasser, Leitungswasser, chemisch aufbereitetes Kanalwasser und abgefülltes Wasser) im Mekong Delta, Vietnam, untersucht. Insgesamt wurden fünf Untersuchungsstandorte in der „Stadtprovinz“ Can Tho und der Provinz An Giang ausgewählt, welche die typische Landnutzungssysteme repräsentieren, sowieFisch-Brutanlagen (in Can Tho) und Wels-Zuchtteiche (in An Giang). Nach detaillierter Ermittlung der Expositionspfade der Pestizide und Antibiotika habe ich das Vorkommen von fünfzehn verschiedenen Pestiziden(Isoprothiolane, Fenobucarb, Fipronil, Butachlor, Pretilachlor, Propiconazole, Hexaconazole, Difenoconazole, Cypermethrin, Fenoxapro-P-ethyl, Tebuconazol, Trifloxystrobin, Azoxystrobin, Quinalphos und Thiamethoxam) sowie von vier verschiedenen Antibiotika (Sulfamethoxazol, Sulfadiazine, Trimethoprim und Enrofloxacin)in den oben genannten Trinkwasserquellen untersucht. Die Extraktion der Wasserproben erfolgten durch Festphasenextraktion und die Extraktion der

Sedimentproben mit dem „Accelerated solvent extraction“-Verfahren. Die Detektion der

Antibiotikakonzentrationen erfolgte mittels einer Kombination aus Flüssigkeitschromatograph und Tandem-Massenspektrometer und die Bestimmung der Pestizidkonzentrationen erfolgte mittels Gaschromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung. Zusätzlich habe ich Mesokosmenversuche unter tropischen Bedingungen durchgeführt um das Verhalten der Antibiotika Sulfadiazine, Trimethoprim und Enrofloxacin zu untersuchen.

Die Ergebnisse der Umfragen offenbarten den unsachgemäßen Einsatz, Lagerung und Entsorgung von Pestiziden an den Untersuchungsstandorten. In den Oberflächenwasserproben variieren die durchschnittlichen Jahreskonzentrationen der untersuchten Pestizide zwischen 0,15 und 1,10 µg L-1. Auf Grund der Verwendung dieses Wassers als Trinkwasser, ohne vorherige angemessene Behandlung (Ergebnis aus der Umfrage), wurden diese Werte mit demRichtlinienwert für absolute Pestizidkonzentrationen im Trinkwasser von der Europäischen Kommission verglichen (0,5 µg L-1). Dieser Wert wurde in allen Regenwasser- (n=6) und chemisch  aufbereiteten Kanalwasserproben (n=6) überschritten, sowie in 95,6 % der  Oberflächenwasserproben (n=181) und in 12,5 % der Proben von abgefülltem Wasser (n=48).Keine der untersuchten Trinkwasserquellen im Mekong Delta war pestizidfrei. Die Maximalkonzentrationen der untersuchenden Antibiotika in den Wasserproben liegen bei 0,33 µg L-1 für Trimethroprim und 0,06 µg L-1 für Enrofloxacin und zwischen 0,10 und 0,11 µg L-1 für Sulfonamide. Diese Konzentrationen sind geringer als der jeweils berechnete „Predicted No Effect Concentration“-Wert für Wasserorganismen und als die minimale Hemmstoffkonzentration für Bakterien, dadurch wird nur ein bedingtes Risiko für den Menschen und die aquatischen Ökosysteme in dem Untersuchungsgebiet angenommen Keine der untersuchenden Antibiotika wurden im Grund- und Leitungswasser nachgewiesen, welches vermutlich auf den schnellen Abbau dieser Stoffe unter den tropischen Bedingungen im Mekong Delta zurückzuschließen ist. Dieses Verhalten wurdedurch den Mesokosmenversuch nachgewiesen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die gemessenen Konzentrationen der untersuchten Antibiotika kein Risiko für die aquatische Umwelt darstellen, dennoch ist das häufige Vorkommen dieser Arzneimittel besorgniserregend, da es zu einer chronischen Belastungder aquatischen Ökosystemen und der Menschen führen kann.

Schlussendlich haben meine Untersuchungen gezeigt, dass Agrochemikalien ein Risiko für die Ökosysteme und die Menschen im Mekong Delta darstellen. Die Kombination von unsachgemäßem Handeln und die hohen Applikationsraten stellen eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung dar. Meine Empfehlung ist daher eine mögliche Kontamination der Umwelt durch einen reduzierten Einsatz von Pestiziden und Antibiotika zu vermeiden.

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