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Zusammenfassung Band 36

Wolf, Andreas: Gewässerschonende Landbewirtschaftung in einem Wasserschutzgebiet nordwestlich von Köln unter Berücksichtigung typischer Ackerböden und Feldfrüchte. Bonner Bodenkundl. Abh. 36 (2001), 161 S.

 

Im Einzugsgebiet der Wassergewinnungsanlagen „Weiler und Langel/Worringen“ der GEW Köln AG stiegen ab den 70er Jahren die Nitratgehalte im Grundwasser innerhalb kurzer Zeit an. Es bestand die Gefahr, dass mittelfristig entweder Versorgungseinrichtungen geschlossen oder teure Aufbereitungsmaßnahmen installiert werden müssten. Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen einer Kooperation zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft, dem „Arbeitskreis Ackerbau und Wasser im linksrheinischen Kölner Norden e. V.“, Untersuchungen zur gewässerschonenden Landwirtschaft durchgeführt. Nach Auswahl geeigneter acker- und pflanzenbaulicher Maßnahmen zur Verringerung von Nitrat- und Pflanzenschutzmitteleinträgen erfolgte die  Prüfung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen für den Gewässerschutz im Rahmen von Feldversuchen und begleitenden praxisnahen Untersuchungen.

Für die Feldversuche wurden die im Untersuchungsgebiet verbreiteten Parabraunerden aus Löß, zwei Braunerden aus Auenlehm sowie zwei Braunerden aus Flugsand ausgewählt. Letztere weisen hinsichtlich der Verlagerung von Nitrat und Pflanzenschutzmitteln (PSM) teilweise sehr ungünstige Eigenschaften auf (niedrige Feldkapazitäten und hohe Wasserleitfähigkeiten), was sich in erhöhten Nitratgehalten im Grundwasser manifestiert. Nach Bildung von zwei Schlaggruppen mit drei unterschiedlichen Böden wurden zwei Felderfolgen mit jeweils vier Varianten über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet. Parallel zu den im Rahmen dieser Feldversuche durchgeführten Nitrat- und PSM-Untersuchungen in Böden, im Sickerwasser und in den angebauten Kulturpflanzen (Zuckerrüben, Getreidearten) wurde die Entwickung der relevanten
Gewässergüteparameter untersucht.

Folgende Ergebnisse wurden ermittelt:

Die untersuchten Sandböden zeichneten sich nicht nur durch ein geringeres Nitratrückhaltevermögen aus, sondern wiesen auch eine schlechtere Nährstoffverwertung auf. Diese äußerte sich in geringeren Erträgen und erhöhten Nmin-Werten nach der Ernte.
In N-Dünger-bedarfsprognosen werden für Sandböden Aufschläge bei der N-Düngung empfohlen. Diese aus der Sicht der Landwirtschaft ordnungsgemäße Erhöhung ist nicht mit den Zielen des Gewässerschutzes vereinbar, weil durchlässigen Böden mit geringem Ertragspotential höhere Düngergaben zugeordnet werden.

Einen bedeutenden Einfluss auf die winterliche Nitratverlagerung hatten der Erntezeitpunkt sowie der Zeitpunkt und die Intensität der Bodenbearbeitung. Die Reduzierung der Bodenbearbeitung zur Verringerung der N-Auswaschung ist allerdings an eine optimale Witterung gebunden, auf die der Landwirt keinen Einfluss hat.

Das untersuchte Mulchsaatverfahren führte zu einer Zunahme des verfügbaren N für die
Zwischenfrüchte, einer erhöhten N-Aufnahme durch die Zwischenfrüchte und geringeren Nmin-Werten im Spätherbst. Die Mulchsaatrüben entzogen dem Boden deutlich mehr Stickstoff als die Varianten mit konventionellem Zwischenfruchtanbau und der Nitrataustrag konnte im Vergleich zum konventionellen Zwischenfruchtanbau um bis zu 64 % verringert werden.

Das Grundwasser im Wasserschutzgebiet Weiler ist gut vor Verunreinigungen durch Pflanzenschutzmittel geschützt (0,27 % Positivbefunde). Das einzige Oberflächengewässer, der Pulheimer Bach, war hingegen bis 1993 deutlich höher belastet (7,68 % Positivbefunde). Als Haupteintragsquelle wurde ein Kläranlagenablauf identifiziert, in den über die Hofentwässerung offensichtlich Spritzbrühereste und Waschwässer aus der Gerätereinigung eingeleitet worden waren. Ein Teil der gefundenen PSM-Wirkstoffe konnte auf außerlandwirtschaftliche Anwendungen zurückgeführt werden. Ein Ersatz chemischer Pflanzenschutzmittel durch mechanische Maßnahmen ist im Untersuchungsgebiet aufgrund der vorliegenden Ergebnisse weder aus wasserwirtschaftlicher Sicht dringend erforderlich noch unter den derzeit herrschenden agrarpolitischen Rahmenbedingungen realisierbar.

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