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Zusammenfassung Band 34

Schöning, Alexander: Einfluß chemischer Eigenschaften von Waldböden auf deren Besiedlung mit Lumbriciden – Konsequenzen für die Bodenschutzkalkung. Bonner Bodenkundl. Abh. 34 (2000), 343 S.

 

Anhand gekalkter und z.T. gedüngter sowie unbehandelter und damit weitgehend im Gleichgewichtszustand befindlicher Flächen von Böden aus Löß wurde im Kottenforst bei Bonn der Einfluß bodenchemischer Eigenschaften auf die Lumbricidenfauna untersucht. Der Schwerpunkt lag auf den mobilen und damit potentiell bioverfügbaren Elementfraktionen.
Im Rahmen eines Kalkungs-/Düngungsversuches wurden 1994/95 auf versauerten Pseudogley-Standorten jeweils sechs Behandlungsvarianten in Laub- und Nadelwald angelegt: 0, 3 und 6 t Dolomit ha-1 ohne P,K-Dünger sowie 6, 9 und 15 t Dolomit ha-1 mit P,K-Dünger. Zur Ansiedlung nicht mehr vorhandener Lumbricidenarten wurden zusätzlich aus einer lumbricidenreichen Waldwiese Bodenmonolithe in die Versuchsflächen implantiert. Von 1993 bis 1998 wurden die Flächen halbjährlich beprobt.
In Abhängigkeit von der Höhe der Kalkgabe ergaben sich im Oberboden z.T. deutliche Verbesserungen des bodenchemischen Milieus. Diese waren im Laubwald tiefreichender als im Nadelwald. In den kalkungsbeeinflußten Tiefen konnten sowohl der pH(CaCl2)-Wert als auch die Gehalte an mobilem Ca und Mg erhöht werden. Im Gegenzug sanken die Gehalte an mobilen Schwermetallen und Al. Die Gehalte an mobilem P und K veränderten sich selbst in den gedüngten Varianten nur unwesentlich, ebenso wie auch die Gehalte an mobilem S. Ein kalkungsbedingter Humusabbau und eine Auswaschung von NO3 konnte mit der gewählten Beobachtungszeitreihe nicht festgestellt werden, wohingegen eine geringfügige Verlagerung von Al und einzelnen Schwermetallen nicht auszuschließen war. Entsprechend der unterschiedlichen Tiefenwirkung der Maßnahmen hinsichtlich der bodenchemischen Eigenschaften war auch ihr Einfluß auf die Lumbricidenfauna in Laub- und Nadelwald unterschiedlich. Im Laubwald konnten das Artenspektrum sowie die Abundanz und die Biomasse insbesondere der endogäischen Lumbriciden bereits im ersten Jahr nach Durchführung der Behandlungsmaßnahmen erhöht werden. Im Nadelwald kam es dagegen erst drei Jahre nach der Kalkung bzw. Düngung zu einem Anstieg der Lumbricidenabundanz und -biomasse.
Die Untersuchung der unbehandelten Flächen ergab eine große Variationsbreite an bodenchemischen Eigenschaften. Demzufolge wiesen die Flächen auch hinsichtlich ihrer Besied-lung mit Lumbriciden große Unterschiede auf. Es wurden Vertreter von vier unterschiedlichen Lumbriciden-Lebensformen gefunden.
Anhand des Gesamtdatenkollektivs durchgeführte korrelationsstatistische Verrechnun-gen ergaben für die Gattung Aporrectodea enge Beziehungen zu den chemischen Eigenschaften des Oberbodens. Als Haupteinflußfaktor stellte sich die mittels Hauptkomponentenanalyse extrahierte „Säurekomponente“ heraus, in der der pH(CaCl2)-Wert sowie die Gehalte an mobilem Ca, K, Fe, Zn, Al, Cd und Pb zusammengefaßt wurden. Die Gattung Dendrobaena sowie die Art L. rubellus erwiesen sich als weitgehend unabhängig von den untersuchten bodenchemischen Eigenschaften. Auch die tiefgrabende Art L. terrestris wies keine enge Beziehung zu chemischen Eigenschaften des Oberbodens auf. Sie ist offenbar in der Lage, relativ ungünstige Bedingungen im Oberboden durch günstige Bedingungen im Unterboden zu kompensieren.
Eine wirksame Verbesserung des bodenchemischen Milieus bei gleichzeitiger Förderung insbesondere endogäischer Lumbriciden ist nach den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchung bei Böden aus Löß erst ab einem pH(CaCl2)-Wert von mindestens 4,5 möglich. Zur Erreichung dieses Ziel-pH-Wertes sind je nach Standort unterschiedliche Kalkgaben erforderlich. In jedem Fall sollten Bodenschutzkalkungen im Abstand von wenigen Jahren wiederholt werden.

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