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Zusammenfassung Band 19

Heusch, Karl: Auenböden im fluvialen Stoffsystem - dargestellt am Beispiel der Siegaue bei Hennef.

 

Ziel dieser Arbeit war es, am Beispiel der Siegaue bei Hennef die Einflußgrößen des fluvialen Stoffsystems auf die Genese und Eigenschaften von Auenböden zu erfassen, aus denen sich physikalische Prozesse für eine numerische Simulation ableiten lassen. Dazu wurden neben dem aktuellen Feststoffumsatz auch die holozäne Sediment- und Reliefbildung der Sieg sowie ihre Auenböden in einer Chronosequenz untersucht.

Die jungholozänen carbonatfreien Auenlehme können nach geomorphologischen, sedimentologischen und pedologischen Untersuchungen vier Auenterrassen zugeordnet und ihre Ablagerung zeitlich nach bestimmten Phasen erhöhter Bergbautätigkeit im Einzugsgebiet eingegrenzt werden. Die Obere Auenterrasse trägt eine Auenparabraunerde-Auenbraunerde, deren Entwicklung in die ältere Eisenzeit zu stellen ist. Während sich auf der älteren Mittleren Auenterrasse eine kräftige latenezeitliche Auenbraunerde gebildet hat, reicht die Pedogenese auf der jüngeren Mittleren Auenterrasse nur bis zum Braunauenboden mittelalterlich/frühneuzeitlichen Ursprungs. Die jüngste, maximal 150 Jahre alte, geomorphologisch-pedologische Einheit stellt die Untere Auenterrasse dar. Auf ihr ist die Bodenentwicklung erst bis zum Auengley/Auenregosol fortgeschritten. Für die Hochflutsedimente mit Parabraunerde-Bildung auf der weichselzeitlichen Niederterrasse ist eine Ablagerung in der Bronzezeit anzunehmen. Ein vermutlich altholozäner Boden ist lediglich als Fragment, vom anthropogen bedingten Auenlehm fossiliert, auf der Niederterrasse erhalten.

Die sowohl pedostratigraphisch nachgewiesene als auch statistisch abgesicherte Chronosequenz der Auenböden deutet neben einer starken zeitlichen besonders auf eine substratbedingte und damit fluviale Abhängigkeit. Die an die Fließgeschwindigkeit des Hochwassers gebundene Korngrößensortierung der Auenlehme wurde unter der wesentlichen Annahme diffusiven Sedimenttransports modelliert. Anhand der mit den Felddaten gut übereinstimmenden Simulationsergebnisse des angewendeten Modells kann die strömungsabhängige Sedimentdiffusion im Überflutungswasser als der für Auenböden entscheidende substrat- und reliefbildende Prozeß gewertet werden.

Infolge umfassender wasserbaulicher Eingriffe und ackerbaulicher Nutzung ist aber gerade dieser Formungsprozeß in der Siegaue heute kaum mehr möglich. Durch die anthropogen bedingte starke Eintiefung der Sieg ist die aktuelle fluviale Morphodynamik überwiegend auf die außendeichs gelegenen, flußnahen Auen bzw. auf den Bereich des Flußbetts konzentriert, wo im wesentlichen erhöhte Feststofftransporte, Scheitelabflüsse und Bodenerosion dominieren. Letzteres bedeutet auch der Verlust an ökologisch wichtigen Funktionen, die Auenböden als Bestandteile fluvialer Stoffsysteme erfüllen. 

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